Wer in Hamburg-Nord wohnt, kennt die Schlagzeilen: Fahrräder, die vor dem Bahnhof Barmbek verschwinden, aufgebrochene Autos in Winterhude, Taschendiebe an der Hudtwalckerstraße. Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?
Wir haben den Stadtteilatlas der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) Hamburgs[1] und das PKS-Jahrbuch 2024 des Landeskriminalamts[2] ausgewertet und zeigen, wie sicher Hamburg-Nord im Vergleich zu den anderen sechs Hamburger Bezirken ist, in welchen Stadtteilen die meisten Straftaten registriert werden und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat.
- Wie viele Straftaten gab es im Bezirk Hamburg-Nord?
- Hamburg-Nord im Vergleich: So steht der Bezirk gegenüber den anderen Hamburger Bezirken
- Die häufigsten Delikte in Hamburg-Nord
- In welchen Stadtteilen von Hamburg-Nord ist die Kriminalität am höchsten?
- Kriminalität im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen in Hamburg?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in Hamburg-Nord
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es im Bezirk Hamburg-Nord?
Im Jahr 2025 hat die Polizei im Bezirk Hamburg-Nord insgesamt 27.209 Straftaten[1] erfasst. Das sind 460 Fälle weniger als im Vorjahr (27.669 Straftaten in 2024), ein Rückgang um 1,7 Prozent. Der Trend bewegt sich damit seit Jahren in einem überschaubaren Korridor zwischen rund 25.000 und 28.800 Fällen pro Jahr.
Die Aufklärungsquote im Bezirk lag 2025 bei 48,7 Prozent und ist gegenüber 2024 (44,7 Prozent) spürbar gestiegen.[1] Sie liegt damit über dem Hamburger Mittel, das 2025 bei 49,1 Prozent lag, dem höchsten Wert seit 1997.[2]
Warum Hamburg keine Werte je 100.000 Einwohner pro Bezirk veröffentlicht
Die Polizei Hamburg weist im Stadtteilatlas absolute Fallzahlen für Bezirke und Stadtteile aus, keine Häufigkeitszahl (Straftaten je 100.000 Einwohner) auf dieser Ebene.[1] Die Häufigkeitszahl gibt es nur für ganz Hamburg: 2025 lag sie bei 11.468 und damit 5,6 Prozent niedriger als 2024 (12.147).[2] Ein direkter Pro-Kopf-Vergleich der Stadtteile ist mit den offiziellen Daten daher nicht möglich. Wir bleiben deshalb bei den absoluten Fallzahlen, die die Polizei selbst zum Vergleich heranzieht.
Hamburg-Nord im Vergleich: So steht der Bezirk gegenüber den anderen Hamburger Bezirken
Hamburg ist in sieben Bezirke gegliedert. Gemessen an der absoluten Zahl der erfassten Straftaten liegt Hamburg-Nord 2025 auf Platz zwei, hinter Hamburg-Mitte.[2] Hamburg-Mitte sticht mit Abstand heraus, weil dort die touristisch und nächtlich stark frequentierten Stadtteile wie St. Pauli, St. Georg und die Innenstadt liegen.
| Rang | Bezirk | Erfasste Straftaten (2025) | Aufklärungsquote |
|---|---|---|---|
| 1 | Hamburg-Mitte | 78.923 | 58,2 % |
| 2 | Hamburg-Nord | 27.209 | 48,7 % |
| 3 | Wandsbek | 27.048 | 45,9 % |
| 4 | Altona | 22.920 | 45,8 % |
| 5 | Eimsbüttel | 17.563 | 36,9 % |
| 6 | Harburg | 15.955 | 51,3 % |
| 7 | Bergedorf | 8.545 | 52,7 % |
Wichtig zur Einordnung: Wandsbek und Hamburg-Nord haben deutlich mehr Einwohner als etwa Bergedorf, weshalb hohe absolute Fallzahlen nicht automatisch eine hohe Belastung pro Kopf bedeuten. Hamburg-Mitte führt die Liste an, hat aber zugleich die zweithöchste Aufklärungsquote, weil viele Delikte dort direkt vor Ort festgestellt werden.
Die häufigsten Delikte in Hamburg-Nord
Wie überall in Hamburg macht Diebstahl auch in Hamburg-Nord den größten Anteil aus. Auffällig groß ist außerdem der Block der Aufenthalts- und Asyldelikte, der fast vollständig auf den Stadtteil Fuhlsbüttel und damit auf den Flughafen entfällt (dazu unten mehr). Die Verteilung der wichtigsten Deliktsbereiche im Bezirk für 2025:
| Delikt | Fälle 2025 | Aufklärungsquote |
|---|---|---|
| Diebstahl insgesamt | 10.582 | 20,6 % |
| Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsdelikte | 4.199 | 99,8 % |
| Sachbeschädigung | 2.541 | 14,1 % |
| Körperverletzung insgesamt | 2.357 | 82,7 % |
| Fahrraddiebstahl | 2.005 | 3,6 % |
| Ladendiebstahl | 1.885 | 82,3 % |
| Diebstahl an oder aus Kfz | 1.700 | 2,0 % |
| Gewaltkriminalität (Summenschlüssel) | 771 | 76,5 % |
| Taschendiebstahl | 710 | 3,1 % |
| Rauschgiftdelikte insgesamt | 556 | 72,8 % |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 526 | 79,8 % |
| Wohnungseinbruchdiebstahl | 397 | 9,6 % |
| Diebstahl von Kraftwagen | 187 | 12,3 % |
| Raub insgesamt | 182 | 62,6 % |
Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:
- Diebstahl dominiert weiter. Mit 10.582 Fällen ist rund jede dritte registrierte Straftat im Bezirk ein Diebstahl. Allein der Fahrraddiebstahl (2.005 Fälle) und der Diebstahl an oder aus Kraftfahrzeugen (1.700 Fälle) machen einen großen Teil aus. Beide Deliktgruppen sind mit Aufklärungsquoten von rund drei bzw. zwei Prozent kaum aufzuklären, weil es selten Täterspuren gibt.
- Körperverletzung geht leicht zurück. Die 2.357 Fälle bedeuten ein Minus von 4,6 Prozent gegenüber 2024. Die Aufklärungsquote ist mit 82,7 Prozent sehr hoch, weil sich Täter und Opfer bei Gewaltdelikten oft kennen.
- Wohnungseinbruch sinkt deutlich. 397 Fälle bedeuten ein Minus von rund 28 Prozent gegenüber 2024 (548 Fälle). Wie überall bleibt die Aufklärung mit knapp zehn Prozent schwierig, ein großer Teil der Taten geht auf reisende Täter zurück.
- Rauschgiftdelikte gehen stark zurück. Mit 556 Fällen liegt der Bezirk 17,5 Prozent unter dem Vorjahr. Der Rückgang bei den Konsumentendelikten hat auch mit der teilweisen Cannabis-Legalisierung 2024 zu tun, die viele frühere Verstöße entfallen lässt.
In welchen Stadtteilen von Hamburg-Nord ist die Kriminalität am höchsten?
Der Bezirk umfasst 13 Stadtteile, von Hoheluft-Ost und Eppendorf im Westen über Winterhude und Barmbek bis Fuhlsbüttel und Langenhorn im Norden.[6] Die Polizei weist für jeden Stadtteil die absolute Fallzahl aus. Die Rangfolge für 2025:
| Rang | Stadtteil | Erfasste Straftaten 2025 |
|---|---|---|
| 1 | Fuhlsbüttel | 5.917 |
| 2 | Winterhude | 3.859 |
| 3 | Langenhorn | 3.127 |
| 4 | Barmbek-Nord | 3.100 |
| 5 | Barmbek-Süd | 2.271 |
| 6 | Eppendorf | 2.005 |
| 7 | Hohenfelde | 1.273 |
| 8 | Uhlenhorst | 1.225 |
| 9 | Dulsberg | 1.176 |
| 10 | Ohlsdorf | 1.116 |
| 11 | Alsterdorf | 854 |
| 12 | Groß Borstel | 648 |
| 13 | Hoheluft-Ost | 638 |
Fuhlsbüttel steht 2025 mit 5.917 Fällen an der Spitze, aber dieser Wert ist ein Sonderfall. Der Stadtteil beherbergt den Hamburg Airport, und allein 4.199 der bezirksweiten Straftaten entfallen 2025 auf Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz[1], fast alle davon werden am Flughafen durch die Kontrollen festgestellt. Rechnet man diesen flughafenbedingten Block heraus, liegt Fuhlsbüttel im normalen Mittelfeld des Bezirks. Es handelt sich also nicht um Straßenkriminalität, sondern um Kontrolldelikte.
Winterhude ist mit 3.859 Fällen der Stadtteil mit der höchsten Alltagskriminalität. Das hat mit der Größe und der hohen Tagesfrequenz rund um Mühlenkamp, Goldbekplatz und die Einkaufslagen zu tun. Auch Langenhorn und Barmbek-Nord liegen wegen ihrer Einwohnerzahl und der Verkehrsknoten weit oben. Am ruhigsten sind die kleineren, wohnlich geprägten Stadtteile Hoheluft-Ost und Groß Borstel mit jeweils unter 700 Fällen. Eppendorf liegt mit 2.005 Fällen im Mittelfeld.
Kriminalität im Zeitverlauf
Über die letzten fünf Jahre haben sich die Fallzahlen im Bezirk Hamburg-Nord in einem engen Band bewegt. Nach einem Tiefpunkt 2021 (25.105 Fälle), der noch von den Corona-Beschränkungen geprägt war, stiegen die Zahlen 2022 und 2023 wieder an und gehen seit 2024 leicht zurück.[1]
Erfasste Straftaten im Bezirk Hamburg-Nord pro Jahr. Quelle: Stadtteilatlas PKS, Polizei Hamburg.
Der Höchststand der vergangenen Jahre wurde 2023 mit 28.790 Straftaten erreicht, seither sinken die Zahlen Jahr für Jahr. Da gleichzeitig die Bevölkerung des Bezirks wächst, bedeutet der leichte Rückgang der Fallzahlen, dass die Belastung pro Kopf eher gesunken als gestiegen ist. Hamburg-Nord ist also gemessen an der Einwohnerzahl nicht unsicherer geworden.
Wer sind die Tatverdächtigen in Hamburg?
Hinweis zur Datenebene
Die Polizei Hamburg veröffentlicht Zahlen zu Tatverdächtigen nur hamburgweit, nicht auf Bezirks- oder Stadtteilebene. Die folgenden Anteile gelten für ganz Hamburg und beziehen sich auf das PKS-Jahrbuch 2025.[2] Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Hamburg-Nord übertragen.
2025 hat die Polizei Hamburg insgesamt 64.516 Tatverdächtige ermittelt[2], 2.465 weniger als im Vorjahr. Davon waren 76 Prozent männlich. Die Tatverdächtigenbelastungszahl, also die Zahl der Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner ab acht Jahren, ist 2025 von 2.434 auf 2.260 gesunken.
Deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige im Vergleich
Von allen 64.516 Tatverdächtigen waren 2025 hamburgweit 47,1 Prozent Deutsche und 52,9 Prozent Nichtdeutsche.[2] Dieser Gesamtwert schließt allerdings ausländerrechtliche Verstöße ein, also Aufenthalts- und Asyldelikte, die nur Nichtdeutsche begehen können und die in Hamburg wegen des Flughafens stark ins Gewicht fallen. Aussagekräftiger ist der Blick auf einzelne Deliktgruppen:
| Deliktgruppe | Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (Hamburg, 2024) |
|---|---|
| Diebstahl unter erschwerenden Umständen (u. a. Einbruch) | 64,9 % |
| Diebstahl insgesamt | 58,8 % |
| Vermögens- und Fälschungsdelikte | 56,1 % |
| Gewaltkriminalität | 51,9 % |
| Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit | 46,0 % |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 39,1 % |
Besonders hoch ist der Anteil beim Einbruch und schweren Diebstahl. Das ist seit Jahren bekannt und hängt stark mit reisenden Tätern zusammen. Bei den Aufenthaltsdelikten der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag der Anteil mit Flüchtlingsstatus 2025 bei 7,1 Prozent (2024: 8,3 Prozent), ein großer Teil der übrigen hatte einen erlaubten Aufenthalt.[2]
Was ist mit dem Migrationshintergrund?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, also den Pass, nicht den Migrationshintergrund einer Person.[5] Ein in Hamburg geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung nach Migrationshintergrund gibt die PKS nicht her.
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[5] Jeder Tatverdächtige gilt bis zum Urteil als unschuldig.
- "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Siehe Erläuterung oben.
- Der Flughafen verzerrt die Hamburger Zahlen. Der Hamburg Airport liegt in Fuhlsbüttel im Bezirk Hamburg-Nord. Allein die dort festgestellten Aufenthalts- und Asyldelikte machen 2025 rund 4.200 Fälle aus und treiben sowohl die Bezirks- als auch die hamburgweiten Anteile nichtdeutscher Tatverdächtiger nach oben.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten belastete Gruppe. Da die in Hamburg lebende nichtdeutsche Bevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist als die deutsche, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile.
- Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnviertel und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Hamburg-Nord
Welcher Stadtteil in Hamburg-Nord gilt als sicherster?
Gemessen an der absoluten Fallzahl verzeichnen Hoheluft-Ost (638 Fälle) und Groß Borstel (648 Fälle) 2025 die wenigsten Straftaten im Bezirk. Beide sind kleine, wohnlich geprägte Stadtteile.
Welcher Stadtteil hat die meisten Straftaten?
Auf dem Papier führt Fuhlsbüttel mit 5.917 Fällen, das liegt aber fast vollständig an den Kontrolldelikten am Flughafen. Bei der Alltagskriminalität steht Winterhude mit 3.859 Fällen an der Spitze, gefolgt von Langenhorn (3.127) und Barmbek-Nord (3.100).
Wie sicher ist Hamburg-Nord im Vergleich zu den anderen Hamburger Bezirken?
Bei den absoluten Fallzahlen liegt Hamburg-Nord 2025 mit 27.209 Straftaten auf Platz zwei hinter Hamburg-Mitte (78.923). Da der Bezirk aber einwohnerstark ist und keine bezirksweite Häufigkeitszahl veröffentlicht wird, lässt sich daraus keine Aussage zur Belastung pro Kopf ableiten.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Hamburg-Nord?
2025 lag die Aufklärungsquote im Bezirk bei 48,7 Prozent, nach 44,7 Prozent im Jahr 2024. Bei Körperverletzungen erreicht sie über 80 Prozent, bei Fahrrad- und Kfz-Diebstahl dagegen nur wenige Prozent.
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Hamburg?
2025 lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger hamburgweit bei 52,9 Prozent (2024: 51,9 Prozent). Dieser Wert schließt ausländerrechtliche Verstöße ein. Wichtig: die PKS erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund, und der Hamburger Flughafen in Fuhlsbüttel treibt die Aufenthaltsdelikte stark nach oben.
Wie hat sich die Kriminalität in Hamburg-Nord entwickelt?
Die Fallzahlen bewegen sich seit 2021 in einem engen Band. Nach dem Höchststand 2023 mit 28.790 Straftaten sinken die Zahlen wieder, 2025 auf 27.209 Fälle. Da die Bevölkerung gleichzeitig wächst, ist die Belastung pro Kopf eher gesunken.